1. Verlängerung der Weddinger-Schaufenster-Ausstellung bis Ostern
2. Kostenlose Führungen am 24.03.2012 zu beiden Ausstellungen
3. Auswertungsgespräch mit Vortrag am 29.03.2012 zu den Weddinger-Schaufenster-Ausstellungen
4. Wer oder was ist der Wedding?
1. Verlängerung
Auf Grund der großen Resonanz werden die beiden Weddinger-Schaufenster-Ausstellungen
in den Quartiersmanagementgebieten Soldiner Straße und Pankstraße bis Ostern verlängert.
2. Führungen
Folgende kostenlose Fahrradtouren werden zu den Wedding-Schaufenster-Ausstellung angeboten:
Samstag den24.03.2012 um, 13:00 Uhr
Start: Büro des Quartiersmanagement Gebiets Soldiner Straße,
Koloniestraße 129, 13359 Berlin;
24.03.2012 um 16:00 Uhr
Büro des Quartiersmanagement Gebiets Pankstraße,
13347 Berlin, Prinz-Eugen-Straße 1
3. Auswertungsgespräch
Alle die sich gerne mit der Idee und dem Konzept sowie der Kultur und der Geschichte des Weddings auseinandersetzten möchten
sind recht herzlich am 29.03.2012 zu einem Auswertungsgespräch der Weddinger-Schaufenster Ausstellungen eingeladen.
Zur Einstimmung gibt es einen Vortag von Eberhard Elfert: Wer oder was ist der Wedding?
Ort: Sitzungsraum des Quartiersmanagement Gebiets Pankstraße,
Adolfstraße 12, 13347 Berlin
4. Wer oder was ist der Wedding?
Seit über 100 Jahren ist die Geschichte und die historische Ausdeutung der Gegend nördlich vor den Toren des historischen Berlin immer ein spannendes Thema. Heute dominiert verstärkt durch die in den 1980er Jahren gegründeten Geschichtswerkstätten die Vorstellung des Weddings als Arbeiterbezirk. Das sich der preußische Militarismus vom Nettelbeckplatz bis zur Türkenstraße flächendeckend in das Stadtbild eingeschrieben hat, ist den sonst so historisch Interessierten, bisher verborgen geblieben.
Ein wirklich anschauliches Bild der Regionalgeschichte gibt das in den 1980er Jahren aufgrund der Initiative des regionalen Heimatvereins eingerichtete Bezirksmuseum. Jenseits dieser fundierten Rückbezüge stellt sich die Frage ob es den immer wieder beschworenen Wedding überhaupt noch gibt. Hat doch die SPD von den 1950er Jahren an konsequent ihre eigene Arbeitergeschichte z.B. mit dem Abriss der Kösliner Straße – Austragungsort des „Blutmai“ 1929 – oder des Meyers-Hofes fast vollständig dem Erdboden gleich gemacht.
Einen Anknüpfungspunkt zur ehemaligen agrarischen Kultivierung sowie der Funktion des Weddings als Produktionsort von Lebensmitten für die preußische Hauptstadt zu der Zeit von „Friedrich dem Großen“ stellten vor 10 Jahren die Künstler eines Projektraumverbund mit ihrer Namensgebung der „Kolonie Wedding“ her.
Seit Jahren stellt sich immer wieder ausgehend von dem durch die DEGEWO aufgerichteten Modeevent „Wedding-Dress“ die Frage, ob der Bereich südlich der S-Bahn – das sogenannte Brunnenviertel als ein Teil des Weddings gelten könnte. Die ehemalige Rosentaler- und Oranienburger Vorstadt, wie die Stadträume korrekt heißen, sind städtebaulich eindeutig gen historischer Mitte ausgerichtet und wurden 1920 per Verwaltungsakt im Rahmen der Gründung Groß Berlins dem Wedding zugeschlagen. Einen erneuten Versuch von diesem Teil Berlins aus die Deutungshoheit über den Wedding zu erlangen liefert vor 3 Wochen einige Kreativwirtschaftler des „Supermarkts“. Sie hatten zum Sogenannten „1. Wedding Meeting“ in die einen ehemaligen Kaisers an der Brunnenstraße geladen.
Zukunftsweisendere Impulse zur Stärkung der Identität des Weddings u.a. als ein vielseitiger Kulturstandort, liefert das in diesem Jahr zum 2. Mal stattfindende Weddinger Kulturfestival. Viele der sich an dieser dezentralen Kulturveranstaltung beteiligten Künstler und Kulturstandorte liegen entlang des Flüsschens Panke und geben dem durch die radikale Stadtzerstörung entwerteten Stadtraum so etwas wie sein Rückgrat wieder zurück.
Einen differenzierten Blick auf den Wedding geben auch die Konferenzen der „ Aktionsräume Plus“. Eine davon befasst sich mit dem sogenannten Parkviertel, den von Grün- und Parkflächen eingefassten Siedlungen der 1920er bis 80er Jahre im Norden des heutigen Bezirkes Berlin Mitte. Damit wird erstmals die Perspektive geöffnet auf die den Wedding grundlegend prägende Struktur – die auch Rückschlüsse auf die Mentalität seiner Bewohner zulässt
- die eines entmischten vorstädtischen Siedlungsraumes.
In vielen Kontexten wird aus sehr unterschiedlichen Gründen eine romantisch rückgewandte Sicht auf den Wedding mit seiner West-Berliner Alltagskultur der 1980er Jahre gepflegt. Erstaunlich ist, dass das Planungsbüro Anschlägen mit seinem Kommunikationskonzept für die Müllerstraße dort anknüpft. Sie kreieren als zukunftweisende Perspektive für die lange agrarisch genutzten Flächen der Müllerstraße das Leitbild „Der Wedding sind Wir“. Scheinbar erwartet man – nach dem Motto „Rückwärts in die Zukunft“ – dem Wedding mit einem Kaufhaus „Berlin-Istanbul“ und dem Aufstellen von „Harz IV Möbeln“ neue Impulse geben zu können.
Mitte Museum
http://www.mittemuseum.de/
Kolonie Wedding
http://www.koloniewedding.de/
Wedding Dress
http://www.weddingdress4.de/
Supermarkt
http://www.supermarkt-berlin.net/en/content/leben-im-kiezdreieck
Wedding Kulturfestival
http://weddingkulturfestival.com/
Aktionsräume Plus
http://www.berlin.de/ba-mitte/org/aktionsraum_plus_weddingmoabit.html
Aktive Zentren Müllerstraße
http://www.muellerstrasse-aktiv.de/downloads/#kommunikationskonzept